Häufig gestellte Fragen zur Tiergestützten Arbeit

Wer darf Tiergestützte Intervention anbieten?

Leider gibt es bisher keine spezifischen gesetzlichen Regelungen zur tiergestützten Intervention. 

Soll heißen: Im Prinzip kann jeder, der ein Tier besitzt, behaupten, dass er tiergestützte Therapie anbietet
      
Noch nicht einmal die Begrifflichkeiten und die Disziplinen sind geregelt. Seit vielen Jahren bemühen sich die Experten, Ordnung in den tierischen Begriffsdschungel zu bringen oder zumindest die einzelnen Disziplinen klar voneinander abzugrenzen. Ausgehend von der aktuellen Definition der International Association of Human Animal Interaction Organizations (IAHIO) gibt es vier unterschiedliche tiergestützte Arbeitsfelder, die alle unter dem Begriff Tiergestützte Intervention (TGI) zusammengefasst werden: 
  • Tiergestützte Therapie ist eine zielgerichtete, geplante und strukturierte therapeutische Intervention, die professionell im Gesundheitswesen, der Pädagogik oder der Sozialen Arbeit ausgebildete Personen anleiten oder durchführen. Fortschritte der Intervention werden gemessen und dokumentiert. 
  •  Tiergestütztes Coaching ist eine zielgerichtete, geplante und strukturierte tiergestützte Intervention, die eine ausgebildeten Coachingfachperson durchführt und/oder anleitet. Die Fortschritte der Interventionen werden gemessen und professionell dokumentiert. 
  •  Tiergestützte Pädagogik (oder Tiergestützte Erziehung) ist eine zielgerichtete, geplante und strukturierte Intervention, die Pädagogen oder gleich qualifizierten Personen anleiten und/oder durchführen.
  • Tiergestützte Aktivitäten sind geplante und zielorientierte informelle Interaktionen/Besuche, die Mensch-Tier-Teams mit erzieherischen/bildenden oder entspannungs- und erholungsfördernden Zielsetzungen durchführen.

Welche Tiere eigene sich für die Tiergestützte Intervention?

Herzstück jeder tiergestützten Arbeit sind die Tiere. Im Prinzip eignen sich alle domestizierten Tierarten für die tiergestützte Intervention. Wildtiere dagegen sollten nicht in die tiergestützte Intervention eingesetzt werden. Einerseits sind sie nicht auf den Menschen sozialisiert. Andererseits können durch den Kontakt mit ihnen Krankheiten auf den Menschen übertragen werden können. 

   
Da wir einen Bauernhof haben, stehen bei uns die klassischen Bauernhoftiere im Mittelpunkt. Das sind Schwein, Kuh, Schaf, Ziege und Huhn. Jede Bauernhoftierart hat unterschiedliche artspezifische Merkmale und Eigenschaften – oder wertend ausgedrückt: je nach Klientel spezifische Stärken und Schwächen. Daraus ergeben sich erste Hinweise, welche Tierart für welchen Einsatz oder Fall geeignet oder eher nicht geeignet sein könnte. Zum Beispiel haben Schafe ein besseres Gespür für Menschen mit Schwerstmehrfachbehinderung als Ziegen. Auf keinen Fall sollten wir die Tiere aber streng nach Raster einordnen oder gar immer nach Schema F für die Tiergestützte Intervention auswählen. Genau wie es keine Patentrezepte gibt, haben wir auch keine Patenttiere, die bei Klienten mit gleichem Krankheitsbild stets auf gleiche Weise helfen. Das gilt auch für die Auswahl unserer Tierrassen. Fast alle unsere Tiere sind Mischlinge. Nicht ihre Rasse macht sie zu perfekten Co-Therapeuten, sondern ihr Charakter sowie die Prägung, Sozialisation und Ausbildung, die wir ihnen angedeihen lassen. Selbstverständlich sichern auch unser liebevoller täglicher Umgang mit ihnen und ihre artgerechte Haltung ihre pädagogischen und therapeutischen Qualitäten. Die Praxis und unsere Erfahrungen zeigen, dass Kinder sich häufig nicht von einer Tierart, sondern von einem bestimmten Individuum angezogen fühlen. Wir bieten den Kindern unsere tierische Vielfalt, aber sie entscheiden selbst, mit welchem Tier sie näher Kontakt aufnehmen und intensiver arbeiten möchten. Diese besondere Nähe und Bindung zu ihrem Lieblingstier nutzen wir natürlich gerne, um maximale Fortschritte für unsere Intervention zu erreichen. Dies gilt auch für Erwachsene, Ältere und Menschen mit Demenz. Last but not least beeinflussen auch unsere Vorlieben für besondere Tiere und Tierarten den Erfolg unserer Arbeit. Wem beispielsweise Schweine nicht liegen, sollte auch nicht mit ihnen arbeiten. Wir lernten im Laufe der Jahre besonders unsere Schafe als verlässliche Co-Therapeuten schätzen.

Wie geht es dem Tier, das in die tiergestützte Intervention eingesetzt wird?

„Solange Menschen denken, dass Tiere nicht fühlen, müssen Tiere fühlen, dass Menschen nicht denken“, steht schon so ähnlich in der Bibel unter Genesis. Dagegen sollten wir bei der tiergestützten Intervention stets an unsere tierischen Partner denken. Auf keinen Fall dürfen wir sie instrumentalisieren, überfordern oder gar ausbeuten. Tiergestützte Intervention bedeutet immer auch tiergeschützte Intervention.  Soll heißen, der Schutz des Tieres in der tiergestützten Intervention hat immer absolute Priorität. Keine Mensch-Tier-Begegnung darf dem Zufall überlassen werden!

Tierschutz heißt, dem Tier ein artgerechtes und wesensgerechtes Leben zu ermöglichen. Wir müssen die Wesenszüge unserer Tiere spüren und darauf eingehen können. Wir haben die Pflicht, den Menschen die Umgangsformen mit den Tieren zu lehren und ihnen zu helfen, sich in das Tier hineinzuversetzen. Wer Menschen Tiere einfach „vorsetzt“, liefert sie ihnen schutzlos aus. Gerade Menschen mit Handicaps sind in ihren körperlichen Bewegungsabläufen häufig unberechenbar. Nicht selten agieren sie unkontrolliert, haben z.B. Spastiken, wodurch die Tiere ein gröberes Anfassen ertragen müssen. Aber auch unerwartete Bewegungen wie fuchtelnde Arme oder spontanes Herumhüpfen verunsichert Kuh und Co. Schreien oder weinen die Menschen plötzlich, erschrecken die Tiere ebenfalls. Nur wenn sie den Umgang mit Menschen aller Art von klein auf gelernt haben, uns als „Beziehungsperson“ voll vertrauen, arbeiten sie mit. Ansonsten würden sie sich entweder aggressiv verteidigen oder ängstlich zurückweichen. Deshalb ist es Grundvoraussetzung, dass wir mit gut sozialisierten und auf ihre Arbeit gut vorbereiteten Tieren arbeiten, welche Spaß am Umgang mit Menschen haben. Tiergestützte Interventionen mit Wildtieren, also z.B. auch Delphinen, wird daher von den großen internationalen Organisationen (z. B. IAHAIO, ESAAT und ISAAT) aus Tierschutzgründen abgelehnt.  

Was unterscheidet die verschiedenen Ausbildungsinstitutionen in Bezug auf den Einsatz der Tiere?

Viele Ausbildungsstätten haben den Schwerpunkt auf dem Tier oder beim Menschen. Der Schwerpunkt sollte aber auf der Mensch-Tier-Beziehung liegen, also beim Team!   

     
Tiergestützte Intervention muss theoretisch begründet sein. Soll heißen, darf nie zufällig oder willkürlich durchgeführt werden. Das therapeutische Geschehen findet bei der tiergestützten Intervention immer in der Triade aus Klient, Therapeut (gleichzeitig Fachkraft) und dem Tier statt. Man spricht hier auch vom Beziehungsdreieck, dieses verwandelt sich zum „Diamanten“, wenn die Fachkraft keinen pädagogischen oder therapeutischen Grundberuf hat, und gemeinsam mit einem Therapeuten oder Pädagogen agiert. Die in der Intervention eingesetzten Tiere können selbst, von sich aus, keinen therapeutischen Prozess gestalten, sondern sie unterstützen und begleiten die vom Therapeuten/Pädagogen gesteuerten Veränderungsprozesse. Deshalb ist eine vertrauensvolle Mensch-Tier-Beziehung die Basis (Grundvoraussetzung) für eine qualitativ hochwertige tiergestützte Intervention.   
      
Wichtig bei der Wahl der Ausbildungsstätte ist es zu überprüfen, welche Inhalte diesbezüglich während der Weiterbildung vermittelt werden. Absolventen einer Fachkraftweiterbildung sollten nicht nur umfangreiches Wissen über Kommunikation, Lernen und Stresssymptome bei Mensch und Tier besitzen und dieses fachgerecht einsetzen können, sondern auch Wissen über Entwicklung, Erziehung und Sozialisation von Mensch und Tieren, und dieses in der tiergestützten Intervention anwenden können. Aber vor allem sollten sie in der Lage sein, Beziehungen so zu gestalten, dass sie für Mensch und Tier förderlich sind.

Warum eignen sich Tiere als sogenannte Co-Therapeuten?

Allen Tieren gemeinsam ist, dass sie die Menschen unvoreingenommen und vorurteilsfrei annehmen, wie sie sind, und dennoch direkt und ehrlich Rückmeldung geben. 

Die ehrlichen Begegnungen mit Tieren bewirken zum einen kurzfristig einen Zugewinn an Lebensqualität und sorgen langfristig für mehr Partizipation der Menschen mit Unterstützungsbedarf. „Gehandicapte“ Menschen sind oftmals weniger von ihren Einschränkungen betroffen als vielmehr von sozialen Barrieren. (Stigmatisierung) Tiere schaffen also eine „Vorfeldfunktion“, eine positive „Arbeitsatmosphäre“ oder in den Worten von Dr. Rainer Wohlfarth ausgedrückt: „Tiere öffnen Türen. Und schaffen damit einen Zustand, in dem man gut weiterarbeiten kann. Damit ist aber auch gesagt: Tiere heilen nicht! Sie helfen uns zu heilen.“  

Was ist das Besondere an tiergestützte Intervention auf dem Bauernhof?

Bei welchen medizinischen Indikationen können Tiere helfen?

Da fast alle Menschen Tiere mögen, ist die Zielgruppe potenzieller Patienten groß; vom sprach- oder entwicklungsverzögerten Kleinkind über Kinder mit Behinderung bis zum Demenz-Betroffenen. Besonders Klienten, dies sich in unserer Welt der Worte schwertun, wie Menschen mit Autismus, geistiger Behinderung oder Traumata, profitieren dadurch. Tiere sind ohne Worte präsent, empathisch und authentisch. Wenn uns das Minischwein freudig grunzend begrüßt, freut es sich tatsächlich und grunzt keine Höflichkeitsfloskel. Wenn die Kinder die Kuh am Strick hinter sich her zerren wollen, bleibt sie stehen. Solange, bis die Kinder angemessen mit ihr umgehen.   

Welche Voraussetzungen brauche ich für die Weiterbildung?

Wer bezahlt die Tiergestützte Intervention?

Woran erkenne ich eine professionelle Weiterbildung?

Was beinhaltet eine Weiterbildung zur tiergestützten Intervention?

Wo erhalte ich weitere Informationen bezüglich tiergestützter Intervention?