Nähe, Beziehung und lebendiger Alltag im Stall

Viele Menschen verbinden den Winter auf dem Bauernhof mit Kälte, Rückzug und Stillstand. Und tatsächlich zeigt sich diese Jahreszeit draußen oft von ihrer rauen Seite: matschige Wege, gefrorene Böden, kalte Finger.

Und doch ist der Winter für uns eine ganz besondere Zeit – gerade für die tiergestützte Arbeit. Denn wenn wir die Tiere in den Stall holen, verändert sich etwas Grundlegendes. Die Füße werden warm, die Geräusche leiser, die Bewegungen langsamer. Die Tiere kommen zur Ruhe, und auch wir Menschen werden stiller. Es entsteht eine Atmosphäre von Geborgenheit, Nähe und Verlässlichkeit – eine Qualität, die im Alltag oft verloren geht.

Warum der Winter für die tiergestützte Arbeit so wertvoll ist

Im Winter verbringen wir deutlich mehr Zeit im Stall als auf den Weiden. Diese Zeit ist nicht „weniger aktiv“, sondern anders aktiv. Sie schenkt Raum für Beziehung.

Die Tiere sind weniger abgelenkt, präsenter und ansprechbarer. Begegnungen werden intensiver, Berührungen bewusster. Gerade für Menschen, die Halt, Orientierung oder Ruhe suchen, bietet diese Jahreszeit eine wunderbare Grundlage.
Beziehungsaufbau ist das Herzstück jeder tiergestützten Intervention. Und im Winter zeigt sich besonders deutlich, wie tragfähig Beziehungen werden können, wenn sie auf Achtsamkeit, Wiederholung und gemeinsamem Tun beruhen.

Was wir im Winter konkret mit und für die Tiere tun

Oft werde ich gefragt: „Was macht ihr denn eigentlich im Winter auf dem Bauernhof?“
Die Antwort lautet: eine ganze Menge – und vieles davon ist besonders wertvoll.

Gemeinsame Versorgung und Pflege

Im Winter fällt mehr Versorgungsarbeit an – und genau hier können unsere Besucher*innen aktiv eingebunden sein. Gemeinsam bereiten wir Futter vor, füttern die Tiere und lernen dabei ihre individuellen Vorlieben kennen. Wir misten Ställe, bürsten Felle, kontrollieren Hufe, putzen Tränken. Diese Tätigkeiten schaffen Nähe, Vertrauen und das Gefühl, gebraucht zu werden. Sie sind sinnstiftend, klar strukturiert und geben Halt.

Zeit im Stall – ohne Eile

Der Stall wird im Winter zum Begegnungsraum. Es ist Zeit da, um bei den Tieren zu sitzen, sie zu beobachten, zu streicheln oder einfach gemeinsam still zu sein. Gerade diese stillen Momente wirken oft besonders tief – für Menschen ebenso wie für Tiere.

Bewegung und Beschäftigung

Natürlich kommt auch die Bewegung nicht zu kurz. Mit den Eseln unternehmen wir ausgedehnte Spaziergänge, angepasst an Wetter und Möglichkeiten. Für die Ziegen gestalten wir kleine Kletter- und Entdeckungsangebote im Stall.
Für die Schweine wird jede Fütterung zum Abenteuer: Nüsse, Eicheln, Kastanien oder Hagebutten verstecken wir unter Heu, Zweigen oder Wurzeln. So bleiben sie aktiv, neugierig und geistig gefordert – und unsere Besucher*innen erleben spielerisch, wie Tierwohl im Alltag aussieht.

Winter heißt nicht Rückzug – sondern Beziehung

Der Winter auf dem Bauernhof ist keine Pause, sondern eine Einladung: langsamer zu werden, genauer hinzusehen, Beziehungen zu vertiefen. Für viele Menschen entsteht gerade in dieser Jahreszeit ein Gefühl von Geborgenheit und Sinn. Sie erleben sich als Teil eines lebendigen Hofalltags, übernehmen Verantwortung und erfahren Nähe – zu den Tieren, zur Natur und zu sich selbst.

Ja, man kann uns auch im Winter besuchen. Und gerade dann wird besonders deutlich, wie viel Wärme, Kraft und Leben im Stall erlebbar werden.

Lust auf mehr Einblicke?

Wenn du unseren Winteralltag auf dem Bauernhof weiter begleiten möchtest, lade ich dich herzlich ein, uns auf Instagram zu folgen. Dort teile ich regelmäßig kleine Einblicke aus dem Stall, von den Tieren und aus meiner tiergestützten Arbeit – ehrlich, nah und mitten aus dem Hofleben.

Und wenn du in einer Einrichtung arbeitest oder Menschen begleitest, die von tiergestützter Arbeit profitieren könnten, freue ich mich über deine Kontaktaufnahme. Gerne stelle ich unsere Arbeit vor oder lade euch ein, den Bauernhof und die Tiere persönlich kennenzulernen – auch und gerade in der Winterzeit.

Ich freue mich auf neue Begegnungen.💛

Andrea Göhring